KinderWissen (Foto: ©Florian Koch)

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Fragen und Antworten für Besserwisser

Neue Gedankenräume erobern.

Wenn Worten Flügel wachsen

Es ist allerhöchste Eisenbahn - das hast du bestimmt schon einmal gehört. Damit meint man, dass etwas sehr dringend ist. Der Satz ist ein geflügeltes Wort. Aber was sind eigentlich geflügelte Worte?

Dr. Imke Lang-Groth ist Sprachwissenschaftlerin an der Technischen Universität Braunschweig. Sie erklärt, dass geflügelte Worte Sprachwendungen sind, die benutzt werden, weil sie eine Sache besonders gut ausdrücken und auf den Punkt bringen können. Die Bezeichnung "geflügeltes Wort" geht auf den antiken griechischen Dichter Homer zurück, der sie als "vom Mund des Redners zum Ohr des Angeredeten fliegende Worte" bezeichnete. Anders als bei Sprichwörtern ist die Herkunft von geflügelten Worten bekannt - es handelt sich nämlich um Zitate aus der Literatur oder Äußerungen von berühmten Menschen. Die allerhöchste Eisenbahn stammt zum Beispiel aus der Feder des Schriftstellers Adolf Glaßbrenner.

"Wenn Du aufmerksam zuhörst, merkst du, wie häufig wir geflügelte Worte benutzen. Sie müssen nicht unbedingt aus dem Deutschen kommen, sondern können aus jeder anderen Sprache stammen. Viele der geflügelten Worte sind auch der Bibel entnommen, zum Beispiel der Satz ?Perlen vor die Säue werfen?, den wir benutzen, wenn jemand eine schöne Sache nicht wertschätzt", sagt Frau Lang-Groth.

Die wichtigste Sammlung von geflügelten Worten stammt übrigens aus dem Jahr 1864. Damals hat der Berliner Oberlehrer Georg Büchmann alle bekannten geflügelten Worte gesammelt und in einem Buch veröffentlicht.

Autor: Maria Frommhold
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 12. August 2017)

Rückschau

Wie du am Glockenschlag die Uhrzeit erkennst

07.08.2017

Es ist mitten in der Nacht. Plötzlich hört man die Kirchturmuhr. Sie schlägt zuerst viermal und dann erneut dreimal. Wie spät ist es also? Es ist drei Uhr nachts. Viele Kirchturmuhren schlagen zu den Viertelstunden mit einer Glocke und geben die vollen Stunden mit einem anderen meist tieferem Glockenton an. Die Glocke für die Viertelstunden erklingt meist zuerst und dann folgt erst die Anzeige, welche Stunde denn gemeint ist. Kirchturmuhren kennen aber nur zwölf Stunden. Man muss also rausgucken, ob es Tag oder Nacht ist.

Um das mit den Viertelstunden zu verstehen muss man sich die Uhr als Kuchen vorstellen. Um 3.15 Uhr ist genau ein Viertel des Kuchens vom Zeiger überstrichen worden. Also schlägt die Uhr einmal. Um halb gibt es zwei Viertel des Kuchens. Die Uhr schlägt zweimal. Um 3.45 Uhr sind drei Viertel des Kuchens vergangen. Die Uhr schlägt dreimal. Um Vier Uhr würde die Uhr dann erst viermal für die volle Stunde (den ganzen Kuchen) und dann noch einmal viermal für die Uhrzeit 4 Uhr schlagen.

Dies ist nur ein Beispiel wie die Kirchturmuhr funktioniert. Es gibt auch Uhren, die zum Beispiel für die halbe Stunde nur einmal schlagen oder zur ganzen Stunde keinen Viertelstundenschlag erklingen lassen. Als noch nicht jeder eine Uhr oder eine Handy hatte, hörten die Menschen auf die Kirchturmuhr, um zu wissen wie spät es ist.

Autor: Andrea Behrens
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 05. August 2017)

Klebriges Gold

31.07.2017

Honig kommt von Bienen - das weiß jeder. Aber weißt du, wie genau sie das machen?

"Honigbienen leben in Staaten mit strenger Arbeitsteilung. Im Sommer besteht der Staat aus 30 000 bis 50 000 Bienen. Nur die Arbeiterinnen sind für die Honigproduktion zuständig. Auf der Suche nach Blüten verlassen sie regelmäßig den Bienenstock", erklärt Dr. Gerlinde Nachtigall vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig.

Mit ihrem Rüssel sammelt die Arbeiterin den Nektar vieler Blüten. Der gesammelte Nektar befindet sich im Bauch der Biene, in der Honigblase. Er enthält noch viel Wasser und muss getrocknet werden, damit er lange haltbar ist. Dafür wird er über den Rüssel in kleinen Tröpfchen der trockenen Luft im Bienenstock ausgesetzt und wieder eingesogen. Das kann man sich vorstellen wie eine Kaugummiblase. Diesen Vorgang wiederholt die Biene mehrfach. "Anschließend kommt der Nektar in leere Honigzellen, wobei die Biene dem Honig mit ihren Flügeln Luft zufächelt, um ihn weiter zu trocknen. Ist er trocken genug, wird der Honig in die Wabe eingelagert und nach einer Reifezeit mit einer Wachsschicht versehen. Ob der Honig reif ist, erkennt man also daran, ob ein Wachsdeckel auf der Wabe sitzt", so Frau Nachtigall. Eine Biene produziert so in ihrem rund fünfwöchigen Leben etwa zwei Teelöffel Honig.

Honig dient den Bienen als Nahrung im Winter. Wenn wir den Bienen Honig wegnehmen, sorgt der Imker dafür, dass die Bienen genug Ersatz bekommen. Das ist meist flüssige Zuckerlösung.

Autor: Maria Frommhold
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 29. Juli 2017)

Wie sieht tropischer Regenwald aus?

24.07.2017

Mit der Machete muss man sich durchschlagen, wilde Tiere begegnen einem auf Schritt und Tritt, und überall sieht man blühende Pflanzen? Eher nein. Wenn du jetzt gerade drin stehen würdest, würdest du dich vermutlich wundern. Denn ein tropischer Regenwald ist am Boden meist gar nicht so dicht bewachsen. Da kaum Licht zum Boden durchdringt, findet das meiste quirlige Leben in den Baumwipfeln statt. Deswegen haben Forscher dort auch schon verschiedene Stationen aufgebaut, die entweder wie riesige Baumhäuser, Kletterpfade oder sogar Gummiboote aussehen. Doch auch in den Baumwipfeln muss man große wilde Tiere aufwendig suchen. Tiere, die man überall sofort findet, sind Ameisen und weitere Insekten.

Tropischen Regenwald gibt es überall auf der Erde, wo es sehr viel regnet und gleichzeitig sehr lange die Sonne scheint. Also rund um den Äquator. In diesen Regenwäldern gibt es keine Jahreszeiten. Die Wälder sind immergrün. In ihnen gibt es unglaublich viele Pflanzenarten und Tiere. Holzt man diese Wälder jedoch ab, bleibt nicht viel übrig. Der Boden an sich ist nämlich nährstoffarm.

Warum ausgerechnet der tropische Regenwald so artenreich ist, wird intensiv erforscht und diskutiert. Vielleicht gibt es so viele Arten, da sie bei geringem Nährstoffangebot aus dem Boden so hart ums Überleben kämpfen müssen.

Autor: Andrea Behrens
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 22. Juli 2017)

Wenn Eis vom Himmel fällt

17.07.2017

Es blitzt, donnert und auf einmal prasseln kleine Eiskugeln auf die Erde. Die Rede ist natürlich von Hagelkörnern. Aber wie entstehen die eigentlich?

Agnes Straaten ist Meteorologin an der TU Braunschweig. Sie erklärt, dass Hagel nur in Gewitterwolken entstehen kann: "Diese Wolken sind zum Teil über 10 Kilometer hoch und bilden sich, wenn kalte auf warme Luft trifft. Die kalte Luft schiebt sich dabei unter die warme. Das Wasser, das in der Luft enthalten ist, kondensiert. Das bedeutet, dass sich Wassertropfen bilden." Durch die verschiedenen Lufttemperaturen entstehen in der Wolke Aufwinde, denn warme Luft steigt nach oben. Die Aufwinde blasen die Wassertropfen nach oben, wo sich Eiskristalle bilden, denn oben in unserer Atmosphäre ist es richtig kalt. Oben angekommen, fallen die kleinen Eiskristalle innerhalb der Wolke wieder herunter und sammeln andere Wassertropfen ein, so dass sich kleine Hagelkörner bilden. "Weil es den Aufwind in der Wolke gibt, werden sie dann immer wieder nach oben geschleudert und wachsen dabei weiter an. Wenn man ein Hagelkorn aufschneidet, lässt sich eine zwiebelartige Struktur erkennen. Mehrere Schichten Wasser haben sich daran angelagert. Das Auf und Ab geht immer so weiter, bis das Hagelkorn so schwer ist, dass der Aufwind es nicht mehr halten kann. Dann fällt es als Hagel auf die Erde", so Frau Straaten.

Übrigens: Die Eiskörner nennt man nur Hagel, wenn sie größer als einen halben Zentimeter sind. Sind sie kleiner, bezeichnet man sie als Graupel.

Autor: Maria Frommhold
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 15. Juli 2017)

Warum nimmt in der Höhe der Luftdruck ab?

10.07.2017

Luft ist nicht Nichts. Das merkst du, wenn du dich zum Beispiel gegen den Wind stemmst. Die gesamte Erde umgibt eine große Lufthülle. Da Luft aus winzigen Teilchen besteht, werden diese genauso wie du und alles um dich herum von der Schwerkraft angezogen. So hat Luft auch ein Gewicht.

Du wiegst vielleicht 25 kg und ein Auto um die 1000 Kilogramm. Ein Liter Luft, also eine Milchflasche Luft, wiegt nur etwas mehr als ein Gramm. Das klingt wenig. Die gesamte Luft über dir bringt es auf sehr viel Gewicht. Insgesamt drückt mehr als ein Elefant auf dich. Ein Gewicht, das wir allerdings gewöhnt sind. Es drückt immer gegen uns und macht uns nichts aus. Diese Kraft, die auf eine bestimmte Fläche auf dich wirkt, nennt man Luftdruck.

Der Luftdruck nimmt in der Höhe ab. Wenn du zum Beispiel schnell mit dem Fahrstuhl nach oben fährst, nimmst du den Druckabfall war. Du bekommst Druck auf die Ohren. Warum dieser Luftdruck in der Höhe abnimmt, kannst du dir ganz einfach vorstellen. Stell dir die Luft über dir wie eine Luftsäule von vielen Kilometern Höhe vor. Wenn du einen Berg hinaufkletterst, bleibt weniger dieser Luftsäule über dir übrig. Diese bist du ja schon hinaufgewandert. Beim Mount Everest wären dies dann schon ungefähr 8848 Meter Luftsäule weniger, die dann nicht mehr auf dem Körper lasten.

Autor: Andrea Behrens
(erschienen in der Braunschweiger Zeitung am Samstag, den 08. Juli 2017)

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